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Aktuell

06.05.2019

Zentrale Informationsstellen fehlen – Ein Gespräch mit MDL Jochen Kohler über Wohnungslosigkeit

Was können Staat und Gesellschaft gegen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit unternehmen? Diese Problematik diskutierten Vertreter der Caritas aus Ober- und Mittelfranken mit dem Landtagsabgeordneten Jochen Kohler im Domus Misericordiae.

Am Beginn des Gesprächs standen die Erfahrungsberichte dreier Betroffener, die erzählten, wie sie obdachlos wurden, Zuflucht im Domus fanden und teilweise auch wieder Fuß fassten. Scheidung, Suchtprobleme, Inhaftierung – das sind Lebensumstände, durch die Menschen in die Wohnungslosigkeit geraten.

Behördenhandeln ist in so manchem Fall mitverantwortlich: In den Jobcentern wird in Sachen Wohnraum immer wieder nach Aktenlage, nicht nach Faktenlage geurteilt. Beratungen fallen schmallippig aus und grundlegende Informationen werden auch mal schlichtweg vergessen.

Es fehlt an zentralen Informationen, eine stärkere Vernetzung zwischen Job-Centern und Beratungsstellen wäre immens hilfreich, so ein Fazit. Die Zentralstellen für Strafentlassene in Nürnberg und München waren ursprünglich eine solche Form. Nach Rückzug der Ämter sind dort jedoch nur noch die Sozialarbeiter der Wohlfahrtsverbände aktiv. Die vielen Wege zu den verschiedenen Ämtern seien Hürden für viele Menschen.

Thematisiert wurde ferner, dass Wohnungslose ohne Unterstützung auf dem angespannten Wohnungsmarkt noch schlechtere Chancen haben als zuvor. Die Betroffenen gerieten gegenüber Konkurrenten mit Wohnsitz und festem Einkommen stets ins Hintertreffen. Nürnbergs Caritasdirektor Michael Schwarz forderte, das Land müsse die Kommunen finanziell fördern, damit sie Menschen wieder in eine normale Wohnung vermitteln. Und Diözesan-Caritasdirektor Helmar Fexer ergänzte, dass die Pensionen, in denen die Betroffenen oft untergebracht werden, weitaus teurer seien als sozialer Wohnungsbau.

„Zu den sozialpolitischen Herausforderungen gehört die Gewährleistung einer bedarfsgerechten Wohnraumversorgung“, betonte der Landtagsabgeordnete Jochen Kohler. „Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Menschen und droht immer mehr zum Luxusgut zu werden.“ Er sagte zu, den begonnenen Meinungsaustausch mit der Fachgruppe „Armut und Teilhabe“ des Diözesan-Caritasverbandes im Sozialpolitischen Arbeitskreis der CSU-Landtagsfraktion fortzusetzen.

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